Energiesparclub: Wann lohnt sich ein hydraulischer Abgleich?
Peter Mellwig: Vor allem dann, wenn die Heizung schlecht zu regeln ist – gute Indizien sind Geräusche an den Heizkörpern wie Rauschen oder Pfeifen. Ein weiteres typisches Merkmal: Einzelne Heizkörper werden knallheiß, obwohl sie nur auf Stufe „1“ gestellt sind – oder sie bleiben lauwarm, obwohl sie voll aufgedreht sind.
Energiesparclub: Was sind die Voraussetzungen für einen hydraulischen Abgleich?
Beispielrechnung Hydraulischer Abgleich - Einfamilienhaus, 125m², freistehend, jährlicher Heizenergieverbrauch 150 kWh/m²
Quelle: co2online
Peter Mellwig: Machbar ist ein hydraulischer Abgleich nur, wenn die Heizkörper voreinstellbare Thermostatventile haben oder eine Rücklaufverschraubung. Die Rücklaufverschraubung ist ein Bauteil zum Absperren des Heizkörpers am kühleren Rohranschluss und meist mit einer Abdeck-Kappe geschützt. Viele Heizkörper haben diese Rücklaufverschraubung, die voreinstellbaren Thermostatventile sind noch relativ selten. Wenn beides nicht vorhanden ist, sollte man voreinstellbare Thermostatventile einbauen, das kostet aber 30 bis 70 Euro pro Heizkörper. Zudem ist wichtig, ob es sich bei ihrer Heizung um eine Einrohr- oder Zweirohrheizung handelt. Bei Einrohrheizungen ist der hydraulische Abgleich wesentlich schwieriger durchzuführen als bei Zweirohrheizungen.
Energiesparclub: Wie funktioniert der hydraulische Abgleich?
Peter Mellwig: Ziel des Abgleichs ist es, jeden Heizkörper mit dem richtigen Druck und der richtigen Wassermenge zu versorgen. Dazu wird zunächst die Heizlast für jeden Raum berechnet. Dies geschieht anhand der Außenflächen, also Wänden, Decken, Fenstern und Türen. Die Heizlast wird dann mit der Heizleistung der vorhandenen Heizkörper verglichen. Zusätzlich wird die Entfernung des Heizkörpers zur Heizungspumpe berücksichtigt. Aus all diesen Größen werden die Einstellwerte für jeden einzelnen Heizkörper berechnet.
Energiesparclub: Was kostet ein hydraulischer Abgleich?
Peter Mellwig: Das hängt natürlich von der Hausgröße ab. Bei Einfamilienhäusern ist ein Abgleich ab 500 Euro möglich.
Energiesparclub: Wie lange dauert ein hydraulischer Abgleich?
Peter Mellwig: Für ein Einfamilienhaus dauert die Datenaufnahme etwa 1,5 Stunden, die Berechung cirka vier Stunden. Die Einstellarbeiten an den Heizkörpern dauern etwa fünf Minuten pro Heizkörper, wenn keine Bauteile ausgetauscht werden müssen.
Energiesparclub: Ist die Größe des Hauses wichtig?
Peter Mellwig: Häufig lohnt sich bei größeren Gebäuden der hydraulische Abgleich mehr. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Leitungslängen zwischen der Pumpe und den verschiedenen Heizkörpern sehr unterschiedlich sind. Da kann es leicht passieren, dass Heizkörper, die nahe an der Heizungspumpe sind, mit viel zu hohen Drücken betrieben werden. In kleineren Gebäuden sind die Heizkörper oft nur über den Daumen ausgelegt und die Leistung der Pumpen viel zu groß gewählt. Dann kann der hydraulische Abgleich auch hier zu deutlichen Einsparungen führen.
Energiesparclub: Ist es entscheidend, zu welcher Jahreszeit ein hydraulischer Abgleich gemacht wird?
Peter Mellwig: Grundsätzlich ist die Jahreszeit egal. Während der Heizperiode kann natürlich gleich der Erfolg kontrolliert werden.
Energiesparclub: Kann jeder Handwerker einen hydraulischen Abgleich vornehmen?
Peter Mellwig: Es gab und gibt einige Heizungsbauer, die mit dem hydraulischen Abgleich nicht richtig vertraut sind. Sie werden aber immer weniger, da der hydraulische Abgleich heute bei allen einschlägigen Förderprogrammen von KfW und BAFA verlangt wird. Einige Heizungsbauer werben aktiv damit, dass sie den Abgleich durchführen.
Energiesparclub: Wie erkenne ich, ob ein Handwerker geeignet ist?
Peter Mellwig: Die Energieeinsparverordnung (EnEV) verlangt, dass die Handwerker eine Unternehmererklärung ausstellen, in der sie schriftlich bestätigen, dass ihre Leistungen der Verordnung entsprechen. Eine ähnliche Bestätigung wird auch bei den Förderprogrammen verlangt. Fragen Sie den Handwerker vor der Beauftragung, ob er Ihnen diese Bestätigung ausstellen kann.
Energieberater Peter Mellwig über Voraussetzungen und Kosten
Guten Tag Herr Rabe, es gibt die Möglichkeit funkgesteuerte Thermostate einzubauen. Diese werden dann von einer zentralen Regeleinheit mit Temperatursensor und Zeitprogramm angesteuert. Das ist natürlich kein hydraulischer Abgleich und sorgt auch nicht für die richtigen Drücke am Ventil, aber die Raumtemperatur kann so auch bei schwankenden Drücken ziemlich genau - und auch zeitgesteuert - geregelt werden. Beste Grüße PM
Zum Eumel: Immerhin wird der hydraulische Abgleich und andere Maßnahmenn zur Heizungsoptimierung von der KfW-Förderbank mit 25% der Kosten bezuschusst. Dumm ist nur, dass das Programm zum 31.08.2010 ausläuft - wegen der hohen Nachfrage ... Viele Grüße
Laut Herrn Scheithauer sind Einrohrheizungen hydraulisch nicht abgleichbar.
Laut Hersteller Kermi sind meine Heizkörper schon 1990 voreingestellt worden.
Was kann ich bei Einrohrheizung nun tatsächlich noch machen?
Laut Scheithauer wird auch eine Brennwertheizung mit Einrohr nie richtig funktionieren.
Es ist nur schade, daß einem das niemand sagt.
Hallo Herr Scheithauer, vielen Dank für Ihre Anmerkungen und - nebenbei - auch für Ihre Webseite zum hydraulischen Abgleich, die ich sehr hilfreich finde. Ich kann natürlich nur aus meiner Praxis in Berlin und Brandenburg sprechen. Die Themostate, die ich hier vorfinde sind größtenteils aus den 70er und 80er Jahren und i.d.R. nicht voreinstellbar. Natürlich hat eine Einstellung über die Rücklaufverschraubungen Schwächen, aber sie ist eben einige Hundert Euro günstiger als ein Austausch der Ventile. Die angegebenen 500 EUR halte ich tatsächlich auch für die Untergrenze für einen KfW-tauglichen Abgleich - egal, auf welche Art er durchgeführt wird.
Auch ich habe haarsträubende Aussagen über den hydraulischen Abgleich von Heizungsbauern gehört. Aber ich arbeite auch mit Heizungsbauern zusammen, die hier ein neues Geschäftsfeld sehen und den Abgleich aktiv bewerben.
Zum Eumel: der hydraulische Abgleich ist immer nachzuweisen, wenn mit Fördermitteln von KfW und BAFA gebaut wird. Für den Abgleich gibt es sogar eine Sonderförderung von 25% als Zuschuss.
Was ich nicht verstehen kann: Wenn der hydraulische Abgleich so einfach durchzuführen ist und dennoch so wenig durchgeführt wird - wo ist dann der Staat mit seinen Klimaschutzzielen? Wieso wird das nicht einfach zur Pflicht? Da fragt man sich schon manchmal, wie ernst das eigentlich mit dem Umweltschutz gemeint ist bei der Politik...
Hallo – und einige Anmerkungen zum Interview.
Es ist eben nicht so, dass sich ein hydraulischer Abgleich vor allem bei großen Gebäuden lohnt. Ganz im Gegenteil: Gerade im 1 und 2 Familienhäusern besteht der größte Handlungsbedarf zum Thema Anlagenoptimierung durch die sogenannten geringinvestiven Maßnahmen, zu denen im wesentlichen der hydraulische Abgleich einer Heizungsanlage zählt. Den über 90% aller Heizungsanlagen in Deutschland können und müssen optimiert werden. Darunter versteht man die Berechnung und Abstimmung der notwendigen Komponenten – immer in Bezug zur Gebäudehülle.
Der Abgleich lohnt sich immer, denn keine Investition amortisiert sich schneller als die Anlagenoptimierung. Voreinstellbare Ventile sind in ca. 50% aller Anlagen vorhanden, jedoch NICHT eingestellt. Rücklaufverschraubungen sind größtenteils für den Abgleich ungeeignet.
Aussagen zu den Kosten sind immer individuell zu kalkulieren. Es muss immer hinterfragt werden: Ist einen Heizlastberechnung = Kosten notwendig: Ja oder Nein? Natürlich ist es technisch „richtig“ eine Berechnung durchzuführen, aber wenn ein „Muss“ zur Folge hat, dass die Berechnung nicht gemacht wird und somit ein Anlagenoptimierung erst gar nicht in Angriff genommen wird nutzt dies niemanden etwas. Wir brauchen Vereinfachungen in der Berechnung, die sich an der Praxis orientieren.
Zu den Handwerkern: In der Regel ist es so, dass die meisten Handwerker sich NICHT mit dem hydraulischen Abgleich auskennen. Wir haben einen großen Nachhohlbedarf an Weiterbildung im „Systemdenken“ Trotz der notwendigen Fachunternehmererklärung für Förderprogramme ist die Qualität der erbrachten Leistungen stark verbesserungswürdig.
Gruß und weiter am Einsparpotentialen arbeiten - Bernd Scheithauer
Webmaster www.energiesparen-beim-heizen.de und www.hydraulischer-abgleich.de, Trainer für Aus-und Weiterbildung von Fachleuten zum Thema Anlagenhydraulik und Systemoptimierung.
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