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Hydraulischer Abgleich sollte Pflicht sein - nicht nur für neue Heizungen

Ein Gastbeitrag zum hydraulischen Abgleich von Dieter Wolff, Professor am Institut für Energieoptimierte Systeme der Ostfalia-Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel

Dieter Wolff, Professor am Institut für Energieoptimierte Systeme der Ostfalia-Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel

Es gibt viele Ausführungen über den hydraulischen Abgleich, viele Halbwahrheiten sind zu beklagen, ebenso viele Fehlinformationen kursieren. Deshalb zunächst einmal die klare Feststellung: Im hydraulischen Abgleich steckt großes Einsparpotenzial für Hausbesitzer.

Beim hydraulischen Abgleich wird die Heizungsanlage so eingestellt, dass das System aus Rohren, Pumpen und Ventilen dem zirkulierenden Wasser den korrekten, aber dabei möglichst geringsten Widerstand entgegensetzt und so eine optimale und gleichmäßige Wärmeverteilung im gesamten Gebäude erreicht wird. Der Energieverbrauch zum Heizen und für den Pumpenstrom sinkt dadurch um 10 bis 15 Prozent.

Hydraulischer Abgleich rechnet sich schnell

Das sind tolle Neuigkeiten: Mit einer gering investiven Maßnahme, die üblicherweise für ein Familienhaus um die 500 Euro kostet, können Hauseigentümer einfach und zuverlässig viel Energie einsparen – und damit wiederum Geld, so dass sich die Investition schnell amortisiert. Das einzige, was dafür nötig ist: Voreinstellbare Thermostatventile – und ein Handwerker, der den hydraulischen Abgleich vornehmen kann. Gleichzeitig werden die zentrale Regelung und die Pumpe optimal eingestellt. Alte Pumpen sollten gegen Hocheffizienzpumpen ausgetauscht werden.

Die schlechten Neuigkeiten: Kaum einer führt den hydraulischen Abgleich durch. Bei Untersuchungen der Ostfalia-Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel waren gerade einmal zwischen fünf bis zehn Prozent der Anlagen hydraulisch abgeglichen. Das liegt mindestens genau so sehr an den Handwerksbetrieben wie an den Hausbesitzern selbst. Es hat sich in vielen Bereichen ein gewisses „Plug and Play“-Verständnis eingebürgert: Selbst unter Fachleuten verbreitet sich die Ansicht, dass man nur die richtigen Komponenten zusammenstecken muss - und alles andere von selbst funktioniert. Regler- und Pumpeneinstellungen sowie der hydraulische Abgleich müssen aber immer, dem Gebäude und der Anlage angepasst, vorgenommen werden. Sonst können die einzelnen Anlagenkomponenten oft nicht das leisten, wozu sie in der Lage wären. Dann läuft die Heizungspumpe unnötig – Energieverbrauch und Stromkosten schnellen in die Höhe.

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Minderungspotenzial von 10 Millionen Tonnen CO2 ungenutzt

Die Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel hat zu diesem Thema geforscht und festgestellt, dass stellenweise ein bis drei Liter Heizöläquivalent (Primärenergieeinsparung für Wärme und Strom in Heizölmenge umgerechnet) je Quadratmeter mehr verbraucht werden als theoretisch notwendig wäre. In Neubauten und modernisierten Gebäuden mit einem hohen Standard ist nach unseren Ergebnissen durch eine Heizungsoptimierung mit hydraulischem Abgleich sogar ein höheres Einsparpotenzial vorhanden als in Bestandsgebäuden.  Was zunächst ungewöhnlich erscheint, hat einen einfachen Grund: Im Neubau können die auf den Wärmebedarf bezogenen und anteilig höheren Wärmegewinne aus Solarstrahlung über die Fenster und aus den inneren Wärmequellen (Personen, elektrische Geräte und Beleuchtung) nach einer Heizungsoptimierung viel besser genutzt werden.

Umso unverständlicher ist das bisherige Verhalten der Politik: Bei der Energieeinsparverordnung (EnEV), die seit 1. Oktober 2009 gilt, ist nicht nur versäumt worden, hocheffiziente Pumpen in neuen Heizungsanlagen zur Pflicht zu machen. Der hydraulische Abgleich für neu errichtete Heizungsanlagen wurde ebenfalls nicht gesetzlich verankert. Ohne Not bleibt so ein jährliches Minderungspotenzial von rund 10 bis 15 Millionen Tonnen CO2 ungenutzt.

Hydraulischen Abgleich für Handwerk schmackhaft machen

Nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB)  ist der hydraulische Abgleich eine als selbstverständlich angenommene Nebenleistung, die normalerweise nicht separat vergütet oder kontrolliert wird. Deshalb wird er in der Praxis so selten vorgenommen. Dies ist letztlich zum Schaden des Hauseigentümers: Selbst wenn er den Abgleich bezahlen müsste, stünde er langfristig durch die erzielten Einsparungen finanziell besser da.

Neue Regelungen müssen her, um dem Handwerk das Durchführen des hydraulischen Abgleichs schmackhaft zu machen. Eine wirtschaftlich betriebene Anlage muss also auch für die Heizungsfachfirmen lukrativ sein. Der hydraulische Abgleich und die Anlageneinstellung sollten separat ausgewiesen und extra honoriert werden. Denkbar wäre auch eine garantierte Energieeinsparung, die durch eine Verbrauchskontrolle zum Beispiel mit Energie- und Wärmemengenzählen nachweisbar wäre und die der Verbraucher mit Hilfe des Energiesparkontos problemlos überwachen kann. Egal wie: Das Durchführen des hydraulischen Abgleichs muss vorangetrieben werden. Der Abgleich kann einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen des nationalen Klimaschutzzieles leisten, und dabei Hausbesitzern helfen, Geld zu sparen.

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