2. Wo liegen die Unterschiede zum bisherigen Stromzähler?
3. Wie funktionieren Smart Meter?
4. Helfen Smart Meter wirklich beim Energiesparen?
5. Wie bekomme ich einen Smart Meter?
6. Wie viel lässt sich durch Smart Meter sparen?
7. Wie schnell werden sich Smart Meter durchsetzen?
8. Gibt es eine Pflicht, Smart Meter zu nutzen?
9. Sind meine persönlichen Daten sicher?
11. Wie weit sind andere Länder?
12. Was bringen Smart Meter für den Klimaschutz?
13. Wie kann ich meinen Energieverbrauch schon heute transparenter machen?
Smart Meter sind digitale Zähler, die Verbrauchsmengen und Verbrauchszeit von Strom, Gas und Wasser anzeigen, aufzeichnen und direkt an den Messdienstleister übermitteln. Das persönliche Ablesen der Zähler entfällt. Über ein zusätzliches Display in der Wohnung oder eine Internetanwendung wie das Energiesparkonto Pro können Verbraucher zusätzlich selbst genau erkennen, wie viel sie wann verbrauchen. So sollen Haushalte einen schnelleren und genaueren Überblick über den eigenen Verbrauch erhalten – und Energie sparen.
Der alte Ferraris-Zähler liefert nur einen einzigen Wert – den Gesamtverbrauch seit der Installation. Der Zählerstand muss jährlich vom Ablesedienst notiert werden. Nachvollziehbar sind weder einzelne Tagesspitzen (wann wie viel Strom verbraucht wurde), noch Jahreszeitenverläufe oder die entsprechenden Stromverbräuche. Stromsparen erfolgt nur nach Gefühl und ohne Vergleichswerte. Smart Meter sollen das ändern: Sie erfassen, speichern und übertragen alle Verbrauchsdaten elektronisch. Genaue monatliche Abrechnungen und die regelmäßige Kontrolle des Stromverbrauchs sind nun möglich. Einsparpotenziale können erkannt, Sparerfolge zeitnah beobachtet werden.
Smart Meter-Daten können per Funk, über die Stromleitung oder über das Internet (DSL-Verbindung) übermittelt werden. Regelmäßig werden zunächst zwischengespeicherte Daten an einen geschützten Bereich auf dem Server des jeweiligen Messstellenbetreibers und Energieversorgers geliefert. Manche Versorger bieten ihren Kunden heute schon an, die Daten jederzeit nach Eingabe eines Passworts via Internet einzusehen.
Der Grundgedanke der Smart Meter: Verbraucher müssen den eigenen Energiekonsum messen und nachvollziehen, um effizienter und sparsamer mit Energie umzugehen. Das leisten Smart Meter zusammen mit Feedbacksystemen wie einem zusätzlichen Display oder dem Energiesparkonto Pro. Dann lassen sich Stromfresser enttarnen und Energieverbräuche und -kosten transparent machen. Außerdem liefern Smart Meter die technische Basis für tageszeitabhängige Tarife. Dabei werden Verbraucher belohnt, die ihren Stromverbrauch zeitlich verlagern und zum Beispiel die Waschmaschine nachts laufen lassen. Solche Tarife müssen die Versorger ihren Kunden spätestens ab 2011 anbieten.
Smart Meter werden von Messdienstleistern angeboten. Das sind in der Regel örtliche oder regionale Energieversorger, aber auch andere Unternehmen. Der Markt ist noch unübersichtlich, da die aktuelle Gesetzeslage einige Hintertüren für Messdienstleister offen lässt (siehe auch Frage 8). Nach Energiesparclub-Recherchen bieten derzeit nur EnBW und deren Tochter Yello bundesweite Angebote für Smart Meter an. Zu möglichen Einführungsterminen wollten sich die anderen großen Energieversorger nicht äußern. Grundsätzlich gilt: Bei den meisten Anbietern fällt für Smart Meter eine Wechselgebühr an und der Messpreis liegt höher als bisher.
Smart Meter allein helfen kaum, Energie zu sparen. Ihr volles Potenzial entfalten die innovativen Zähler erst, wenn Feedbacksysteme wie ein Display oder das Energiesparkonto Pro genauen Aufschluss über den Verbrauch geben. Dann können laut Studien fünf bis zehn Prozent Energie gespart werden. Das ist gut für den Klimaschutz und für die Haushaltskasse: Eine vierköpfige Familie kann so jährlich Energiekosten von 50 bis 90 Euro sparen. Das konkrete Sparpotenzial hängt dabei vom bisherigen Nutzungsverhalten des Einzelnen ab. Wer schon heute auf seinen Energiekonsum achtet, besitzt weniger Sparmöglichkeiten, als jemand, der sich bisher nicht darum gekümmert hat.
Das lässt sich schwer voraussagen. Viel hängt davon ab, wie schnell sich Politik, Zählerhersteller und Energiekonzerne auf einheitliche Gerätestandards einigen. Bisher sind die smarten Stromzähler der verschiedenen Anbieter untereinander nicht kompatibel. Das Thema Datenschutz ist ein weiterer Punkt, der die Akzeptanz der Smart Meter beeinflussen wird. Nach einer Zielvorgabe der Bundesregierung sollen 80 Prozent aller Haushalte bis 2020 mit Smart Metern ausgestattet sein
Nein. Zwar sorgt das Energiewirtschaftsgesetz auf dem Papier dafür, dass der Einbau von Smart Metern ab 1. Januar 2010 in Neubauten und grundsanierten Wohnungen zur Pflicht wird. Der Kunde kann den Einbau laut Gesetz ablehnen, auch der Messstellenbetreiber (meist ist das der Energieversorger) ist nicht zwingend dazu verpflichtet. Denn im Gesetz heißt es vage: „Soweit dies technisch machbar und wirtschaftlich zumutbar ist, haben Messstellenbetreiber (…) Messeinrichtungen einzubauen, die dem jeweiligen Anschlussnutzer den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegeln.“
Datenschützer sehen die neue Technik noch skeptisch, weil die genaue Verbrauchsmessung auch Rückschlüsse auf das Verhalten der Kunden erlaubt: Wann stehen sie auf, wann schauen sie fern, wann sind sie verreist. Peter Blenkers von der Verbraucherzentrale NRW spricht beim Thema Datenschutz von der „Achillesferse der Smart Meter“. Datenschützer fordern daher ein schlüssiges Datenschutzkonzept. Dass die Sorgen nicht unbegründet sind, zeigt eine Studie des US-Sicherheitsunternehmens IOActive. Die dort für Smart Metering verwendeten Systeme weisen Sicherheitslücken auf, so dass es für Dritte möglich erscheint, einzelne Steckdosen abzuschalten oder Messwerte zu manipulieren.
Mit Smart Metern wird das Stromnetz und die Stromerzeugung reaktionsfähiger und flexibler. Da mehr Daten über den aktuellen Verbrauch im Netz vorliegen, kann die Strombeschaffung optimiert werden. Smart Meter sind daher eine wichtige Voraussetzung für ein zukunftsfähiges Stromnetz, das so genannte Smart Grid. Damit soll in Zukunft das schwankende Angebot erneuerbarer Energien aus Windparks und Solaranlagen viel besser als bisher mit dem Verbrauch in Einklang gebracht werden. Im Smart Grid der Zukunft können Elektrogeräte mittels Hausautomation preis- und energieeffizient zentral gesteuert werden. Wenn gewollt, springt die Waschmaschine erst dann an, wenn der Strom besonders günstig ist, weil beispielsweise durch einen Sturm viel Windenergie im Netz ist.
Die Europäische Union verlangt von ihren Mitgliedsstaaten, bis 2022 innovative Messsysteme einzuführen. In Schweden wurde bereits 2005 mit der Umrüstung begonnen. Heute sind dort alle Haushalte mit Smart Metern ausgestattet. In Italien soll es 2011 so weit sein, unsere niederländischen Nachbarn planen die flächendeckende Ausstattung für 2014. Auch Dänemark und Großbritannien führen Smart Meter im großen Stil ein. In Finnland müssen 80 Prozent der alten Zähler bis 2014 ausgetauscht sein.
Die Rechnung ist einfach: Mit einem Feedbacksystem wie Display oder Energiesparkonto motivieren Smart Meter Privathaushalte, sparsamer und effizienter mit Energie umzugehen. Experten gehen derzeit davon aus, dass Haushalte mit der neuen Technologie fünf bis zehn Prozent weniger Energie verbrauchen. Bei 42 Millionen deutschen Haushalten und 0,6 Kilo CO2, die im Schnitt bei der Herstellung einer Kilowattstunde Strom entstehen, schlägt sich das positiv auf die Klimabilanz Deutschlands nieder: Etwa 8,5 Millionen Tonnen CO2 ließen sich so pro Jahr vermeiden. Das sind knapp vier Prozent der 230 Millionen Tonnen an Treibhausgasen, die Deutschland im Jahresdurchschnitt mindern muss, will es die selbst gesteckten Klimaschutzziele bis 2020 erfüllen.
Solange Sie keinen intelligenten Stromzähler haben, können Sie stromfressende Haushaltsgeräte auch mit einer Messsteckdose aufspüren. Es wird zwischen das Elektrogerät und die Steckdose gesteckt, die Verbrauchsdaten erscheinen im Anzeigefeld. Das Energiesparkonto ist eine weitere Möglichkeit, den eigenen Energieverbrauch in den Griff zu bekommen. Das Energiesparkonto kontrolliert die Energiekosten, informiert über individuelle Sparpotenziale und zeigt, wie sich konkrete Maßnahmen auf die Energie- und CO2-Bilanz des Haushalts auswirken. So lässt sich erkennen, wie viel Energie und Geld der Kauf eines energieeffizienten Kühlschranks tatsächlich spart.
Peter Blenkers, Verbraucher- zentrale NRW im Gastbeitrag über Datenschutz bei Smart Meter.
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