Energiesparheld Stefan Horner

„Ich fühle mich darin bestärkt, weitere Maßnahmen am Haus vorzunehmen.“

Der neue Energiesparheld ist ein wahrer Pionier. Stefan Horner aus Kropp hat dem Energiesparclub die Verbrauchsdaten seines Hauses zur Verfügung gestellt, um eine neue Methode zur Bewertung des energetischen Zustands seines Hauses zu testen: Die Energieanalyse aus dem Verbrauch (EAV). Als Ingenieur weiß Stefan Horner, wie aufwendig es sein kann, die Energiebilanz des eigenen Hauses zu bestimmen. Erst seine regelmäßigen Eintragungen im Energiesparkonto machen eine EAV möglich.

Im Interview erzählt der Familienvater, warum er ein Energiesparkonto hat, welche Sanierungsmaßnahmen er zuletzt durchgeführt hat und was er von der EAV hält. Neu dabei ist gleichzeitig die Verzahnung der Online-Beratung durch co2online mit der Vor-Ort-Beratung eines Energiesparberaters. Zur Seite steht Herrn Horner der Energieberater und Diplom-Ingenieur Bernd Kinski. Er hat bereits im Vorfeld das Haus unter die Lupe genommen und erstmals die Energieanalyse aus dem Verbrauch mit in seine Beratung einfließen lassen.

Energiesparheld Stefan Horner

Name: Stefan Horner

Ort: Kropp

Haushalt: lebt mit seiner Frau und einem Kind in einem Einfamilienhaus (Baujahr 1995, 170 m² Wohnfläche)

Energiesparkonto-Nutzung:
152 Zählerstände für Strom und Heizen; 3 Jahresabrechnungen

 

Energiesparclub: Herr Horner, wie sind Sie dazu gekommen,  sich ein Energiesparkonto anzulegen?

Stefan Horner: Auf das Energiesparkonto bin ich durch Zufall gestoßen. Ungefähr seit 2009 trage ich dort regelmäßig meine Zählerstände ein. Vorher habe ich meine Daten in Excel-Tabellen gesammelt und eigenständig ausgewertet. Das war relativ aufwendig. Das Energiesparkonto nimmt mir diese Arbeit ab und ist deshalb sehr praktisch.

Energiesparclub: Was bemerkenswert ist, dass Sie monatlich Ihre Daten ins Energiesparkonto eintragen. Erst dadurch wird eine EAV möglich. Daher konnten wir für Sie die Energieanalyse aus dem Verbrauch durchführen und Ihnen und Herrn Kinski zur Verfügung stellen. Die EAV vergleicht die Heizperiode 2009/2010 mit der 2010/2011. Das Ergebnis: Sie haben in der letzten Heizperiode weniger Heizenergie gebraucht. Waren Sie im letzten Jahr sparsamer beim Heizen?

Stefan Horner: Nicht direkt. Wir heizen beispielsweise nur die Räume, die wir auch wirklich nutzen. Ich war schon erstaunt darüber, dass mithilfe der EAV und meinen Daten im Energiesparkonto herausgefunden wurde, dass sich im letzten Jahr mein Energieverbrauch reduziert hat. Allerdings wurde ein Teil des Deckenbereiches des Hauses neu gedämmt.

Abbildung der Mauerkrone vor der Sanierungsmaßnahme. Durch die Nachdämmung der Mauerkronen konnte das Temperaturniveau und das Temperaturempfinden deutlich verbessert werden.

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Energiesparclub: Wie kam es dazu?

Stefan Horner: Am Anfang stand der Wunsch meiner Tochter nach einem neuen Kleiderschrank. Da ihr Zimmer drei Dachschrägen hat, musste der neue Schrank natürlich entsprechend eingepasst werden. Dabei wurde mir klar, dass ich so schnell nicht wieder einen Blick auf die Dämmung hinter Dachschräge und Schrank werfen kann. Daher nutzte ich die Gelegenheit die Dämmung zu überprüfen und es stellte sich heraus, dass sich diese in schlechtem Zustand befand. Für mich war damit klar: Bevor der Kleiderschrank eingebaut wird, muss die Dämmung für das Zimmer meiner Tochter komplett erneuert werden. Im Zuge der Arbeiten erweiterte ich schließlich die Sanierungsmaßnahmen auf gut ein Drittel der gesamten Decke des Hauses.

Bernd Kinski: Ich kann bestätigen, dass in Teilbereichen bei der Wärmedämmung des Hauses recht schlampig gearbeitet worden ist. So wurden beispielsweise die Mauerköpfe der Außenwände nur teilweise überdämmt. Wie Herr Horner mir schilderte, hat sich allein durch die Nachdämmung der Mauerkronen das Temperaturniveau und das Temperaturempfinden im Wohnzimmer erheblich verbessert. Das heißt im Umkehrschluss, dass über diese Bereiche nicht unerhebliche Wärmemengen abgeflossen sind. Durch die Dämmmaßnahmen konnte offenbar Heizenergie eingespart werden. Das bestätigt die EAV.

Im Heizungskeller werden weitere Einsparpotenziale deutlich: Die Heizungsrohre sind zum Teil nicht gedämmt. Dadurch wird Wärme unkontrolliert in den Raum abgegeben und verschwendet.

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Energiesparclub: Aus der EAV wurde auch ersichtlich, dass Ihr Heizenergieverbrauch für die Warmwasserbereitung im Vergleich doch etwas hoch erscheint. Überrascht Sie das?

Stefan Horner: Leider überrascht mich das kaum. Zum einen wird bei uns morgens relativ lange geduscht. Und um mehr Komfort zu haben und nicht erst mehrere Liter kaltes Wasser zu verschwenden, läuft eine Zirkulationspumpe, die warmes Wasser schnell bereitstellt. Diese ist sicherlich für einen nicht unerheblichen Teil des Energieverbrauchs verantwortlich. Zudem ist die Isolation der Warmwasserrohre im Haus ziemlich schlecht. Das ist einfach zu erkennen: Ich brauche nur barfuß vom Hauswirtschaftsraum – in dem unsere Heizung steht – durch die Tür laufen und merke recht schnell, wo die Warmwasserleitungen entlang führen. Dass laut EAV der Heizenergieverbrauch für die Warmwasserbereitung erhöht ist, kann ich also nachvollziehen.

Bernd Kinski: Hier gäbe es die Möglichkeit mit kleinen Maßnahmen Energie zu sparen. Die Zirkulationspumpe kann beispielsweise über eine Zeitschaltuhr geregelt werden. Wer aber häufig seine Gewohnheiten ändert, für den gibt es auch eine andere Lösung. In Räumen wie Küche und Bad  kann ein zusätzlicher Taster installiert werden. Ein Elektriker richtet dafür ein Nachlaufsystem ein und wenn warmes Wasser benötigt wird, dann muss lediglich der Taster einmal gedrückt werden und innerhalb kürzester Zeit läuft die Warmwasserzirkulation durch. Das System schaltet sich dann nach einer bestimmten Zeit wieder automatisch ab. Was den Heizungsbereich im Haus von Herrn Horner betrifft: Im Hauswirtschaftsraum liegen fast alle Leitungen der Heizungsanlage ungedämmt vor der Außenwand. Hier sollte nachgebessert werden.

Auszug aus dem Energiesparkonto zum Heizenergieverbrauch.

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Energiesparclub: Welches Zwischenfazit ziehen Sie, nachdem wir gemeinsam die EAV auf ihr Haus angewendet haben?

Stefan Horner: Ich kann den Ansatz der EAV nachvollziehen. Ich bin überrascht, dass die Dämmung eines Dachteils laut der EAV solch bemerkbare Ergebnisse gebracht hat. Für mich hat sich gezeigt, dass der Weg der richtige ist und ich fühle mich darin bestärkt, weitere Maßnahmen am Haus vorzunehmen. Mein primäres Ziel ist es, laufende Kosten zu reduzieren. Die EAV bietet dabei die Möglichkeit, in kurzer Zeit zu überprüfen, ob sich bestimmte Maßnahmen tatsächlich rentiert haben.

Bernd Kinski: Aus Sicht des Energieberaters bietet die EAV einen interessanten Ansatzpunkt, um mit Hausbesitzern ins Gespräch zu kommen. Natürlich muss sich diese Art der Energieanalyse erst noch bewähren. Es wird jedoch deutlich, dass die EAV Hausbesitzer dazu anregen kann, über das eigene Verhalten und den eigenen Energieverbrauch nachzudenken. Dadurch kann Eigentümern schneller verdeutlicht werden, welche energetischen Probleme sich in ihrem Haus verstecken. Dies bietet wiederum eine gute Argumentationsgrundlage für Sanierungsmaßnahmen. 

Auszug aus dem Energiesparkonto zu den Veränderungen des Heizenergieverbrauchs in den Jahren.

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Energiesparclub: Herr Horner, planen Sie denn schon weitere energetische Maßnahmen?

Stefan Horner: Im oberen Flur wollen wir im Sommer ein Dachfenster austauschen und bei der Gelegenheit auch die Dämmung erneuern. Und seit gut einem Jahr denke ich über eine Kerndämmung des zweischaligen Mauerwerks nach. Auch eine Dämmung der Rohre im Heizungskeller steht auf dem Plan. Sicherlich interessant ist auch die Möglichkeit, mit einem Taster den Verbrauch der Zirkulationspumpe zu verringern. Es gibt also noch viel zu tun.