Energiesparheld Michael Erbeskern

Mit der Energie der Sonne über der Ruhr

Michael Erbeskern aus Bochum ist im Mai 2014 zum zehnten Energiesparhelden gekürt worden. Der 37-Jährige konnte durch die neue effiziente Erdgas-Heizanlage mit Solarthermieunterstützung und durch sparsames Verhalten der ganzen sechsköpfigen Familie den Energieverbrauch um heldenhafte 19 Prozent senken – das entspricht etwa 600 Euro im Jahr.

Der Familienvater lebt mit seiner Frau und vier Kindern in einem 1962 errichteten Haus im Bochumer Ortsteil Altenbochum in Sichtweite des Opelwerks. Die Familie hat das Gebäude 2009 gekauft, umgebaut und saniert. Dabei wurde aus dem in die Jahre gekommenen Dreifamilienhaus ein modernes Zweifamilienhaus mit einer 120 Quadratmeter großen Familienwohnung und einer vermieteten Dachwohnung.

Und auch beruflich geht es häufig um Klimaschutz: Michael Erbeskern arbeitet als Konstrukteur für einen Automobilzulieferer und trägt dort zur Emissionsminderung von LKW bei.


Name
: Michael Erbeskern

Ort: Bochum

Haushalt: lebt mit seiner Frau und vier Kindern (7, 5, 4, 2 Jahre) im eigenen Zweifamilienhaus (Baujahr 1962, Wohnfläche 160 Quadratmeter)

Energiesparkonto-Nutzung:

Strom: 35 Zählerstände und 5 Abrechnungen eingetragen
Gas: 39 Zählerstände und 6 Abrechnungen eingetragen

 

Energiesparclub: Herr Erbeskern, was halten Sie davon, nun ein „Energiesparheld“ zu sein?

Michael Erbeskern: Ich finde die Aktion lustig und interessant. Es ist auf jeden Fall gut, anderen zu zeigen, was man am eigenen Gebäude optimieren kann. Als wir dieses Haus 2009 gekauft haben, lief hier noch eine 30 Jahre alte Heizanlage, die dringend ausgetauscht werden musste. Und da wir hier ein Südseitendach haben, fiel die Entscheidung auf eine Anlage mit Solarthermie für Warmwasser, also für das Brauchwasser. Diese Maßnahme kann ich nur empfehlen – ich finde es also gut, dass Sie darüber berichten.

Energiesparclub: Wie haben Ihre Freunde und die Nachbarn auf die ja sicherlich gut sichtbare Anlage reagiert?

Michael Erbeskern: Ja, unser Haus ist in der Tat gut sichtbar. Das Dach ist von allen Seiten zu sehen und die Platten sind so groß, dass man sie auch kaum übersehen kann. Ein paar Arbeitskollegen haben auch schon angekündigt, dass sie sich auch eine Solaranlage anschaffen möchten.

Energiesparclub: Sie konnten den Energieverbrauch um 19 Prozent senken – wie haben Sie das geschafft?

Michael Erbeskern: Das lag sicherlich insbesondere an der neuen effizienten Heizanlage. Beim Einbau hat sie ungefähr 12.000 Euro gekostet. Damit haben wir jetzt deutlich weniger Heizkosten als die Vorbesitzer. Ich denke, dass wir ungefähr 50 Euro im Monat weniger zahlen. Das liegt aber nicht nur an der Heizung. Wir leben insgesamt sparsamer. Schließlich turnen die Kinder eh den ganzen Tag durchs Haus und man selbst muss hinterher, da wird einem schon warm und man muss nicht so viel heizen.

Energiesparclub: Sie haben eine große Familie mit vier Kindern. Wie steht diese zum Energiesparen? Machen alle mit?

Michael Erbeskern: Ja, wir bringen ihnen immer bei, sich sparsam zu verhalten. Also zum Beispiel das Licht nur anzuschalten, wenn man auch wirklich im Zimmer ist oder das Wasser nicht die ganze Zeit laufen zu lassen beim Händewaschen und Zähneputzen. So haben wir einen wirklich extrem geringen Wasser- und auch Stromverbrauch.

Energiesparclub: Noch einmal zurück zu Ihrer Solarthermieanlage: Welche Erfahrungen haben Sie mit der Anlage gemacht?

Michael Erbeskern: Ganz am Anfang hatten wir ein paar Startschwierigkeiten, aber das lag wohl nur an einer falschen Verkabelung oder daran, dass ein Thermosensor mal defekt war. Aber grundsätzlich läuft die Anlage verlässlich und im Sommer können wir fast unseren gesamten Warmwasserbedarf mit der Anlage decken. Etwas ärgerlich war, dass die KfW-Förderungen genau an dem Zeitpunkt, als wir die Heizanlage erneuert haben, komplett gestoppt wurden. Das war nur vorübergehend, für ein halbes Jahr, glaube ich. Und genau in diesem Zeitraum stand bei uns die Erneuerung an, sodass wir keinerlei Förderung in Anspruch nehmen konnten.
   
Energiesparclub: Warum ist es denn eine Solarthermieanlage geworden und nicht beispielsweise eine Wärmepumpe?

Michael Erbeskern: Ich muss ehrlich zugeben: Als wir das Haus gekauft haben, gab es so viel zu tun, dass wir da gar nicht drüber nachgedacht haben. Die alte Heizanlage musste ja schnell ersetzt werden.

Energiesparclub: Was würden Sie Leuten empfehlen, die sich eine ähnliche Anlage kaufen möchten? Würden Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen vielleicht etwas anders machen?

Michael Erbeskern
: Im Nachhinein würden wir uns vielleicht nicht noch mal für ein Kombi-Gerät entscheiden. Wir haben eine Anlage, in der Warmwasser für die Heizung und Brauchwasser zusammen aufbereitet werden. Und damit stoßen wir bei der Größe des Wasserspeichers schnell an die Grenzen. Aber dafür ist eine solche Anlage natürlich auch recht günstig. Prinzipiell kann ich eine Solarthermieanlage auf jeden Fall empfehlen.

Energiesparclub: Herr Erbeskern, Sie nutzen das kostenlose Energiesparkonto, um Ihren Energieverbrauch im Auge zu behalten. Seit wann haben Sie denn ein Konto?

Michael Erbeskern: Ziemlich genau seit die neue Heizanlage installiert wurde. Ich habe mich damals im Internet umgeschaut, was vergleichbare Häuser verbrauchen und bin dabei auf das Energiesparkonto gestoßen. Und seitdem nutze ich es und finde die Darstellungen sehr interessant. Auch meine Eltern nutzen für sich ein Energiesparkonto. Und sie haben festgestellt, dass sie mit ihrer neuen Heizung, die nun seit rund zwei Jahren läuft, etwa ein Drittel weniger Heizenergie verbrauchen. Das Energiesparkonto ist eine gute Sache, um den Überblick zu behalten und zu prüfen, ob alles normal läuft oder sich etwas aus dem Rahmen bewegt. Ich gehe etwa einmal im Monat in den Keller und trage die Werte ein.

Energiesparclub: Wir versuchen immer unser Angebot gemeinsam mit den Nutzern zu verbessern. Hätten Sie einen Wunsch, was das Energiesparkonto noch können sollte?

Michael Erbeskern: Ja, eine Idee hätte ich da: Ich nutze die App für das Energiesparkonto. Und es wäre natürlich sehr praktisch, wenn man den Zähler mit dem Smartphone abfotografieren könnten, sodass die Werte automatisch übertragen würden und nicht abgetippt werden müssten.

Energiesparclub: Herr Erbeskern, wie geht es bei Ihnen weiter? Haben Sie weitere Maßnahmen im Visier?

Michael Erbeskern: Ja, bei so einem Haus ist man ja nie fertig. In diesem Jahr würden wir gerne das Dach neu machen und dabei dämmen. Wir erwarten, dass wir damit noch einiges an Heizkosten sparen können. Und als Nächstes steht die Dämmung der Kellerdecke an. Meine Schwiegereltern haben damit extrem gute Erfahrungen gemacht: Im Vergleich zu vorher, wo man dort immer kalte Füße hatte, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht!