Energiesparheld Johannes Kollinger

Seit 14 Jahren für den Klimaschutz aktiv

Johannes Kollinger aus Herzogenaurach bei Erlangen ist der Energiesparheld des Jahres 2013. Er wurde aus der neuen Energiesparhelden-Top Ten ausgewählt, die in regelmäßigen Abständen die zehn erfolgreichsten und aktivsten Energiesparkonto-Nutzer präsentiert. Mit seinen Energieeinsparungen setzte sich Kollinger gegen mehr als 60.000 Energiesparkonto-Nutzer durch und belegt in der aktuellen Rangliste den 4. Platz.

Der zweifache Familienvater hat in den vergangenen Jahren größere und kleinere Energiesparmaßnahmen umgesetzt. Im Jahr 2011 dämmte er die Außenfassade seines Hauses und tauschte im Zuge der Bauarbeiten die Holzfenster aus. Insgesamt ist der Gasverbrauch in den vergangenen drei Jahren um 25 Prozent von fast 14.000 kWh auf rund 10.500 kWh gesunken. Auch den Stromverbrauch konnte die Familie in diesem Zeitraum um 21 Prozent senken. Mit diesen Energieeinsparungen haben die Kollingers das Klima um rund 1.200 Kilogramm CO2 entlastet. Das entspricht in etwa einer Kleinwagen-Strecke von 7.500 Kilometern.

Kollinger ist aber nicht nur in den eigenen vier Wänden aktiv. Als Mitglied der Arbeitsgruppe Energie der Agenda 21 in Herzogenaurach führt er seit 14 Jahren regelmäßig Stromsparberatungen durch. Welche Erfahrungen der Energiespar-Experte bei den Beratungen von Privathaushalten gemacht hat, erzählt er im Interview.

Name: Johannes Kollinger

Ort: Herzogenaurach

Haushalt: lebt mit seiner Frau und zwei Kindern (23 und 19 Jahre) im eigenen Einfamilienhaus (Baujahr 1990, Wohnfläche 130 m2)

Energiesparkonto-Nutzung:
Strom: 77 Zählerstände und 4 Abrechnungen eingetragen,
Gas: 73 Zählerstände und 6 Abrechnungen eingetragen

Energiesparclub: Herr Kollinger, Sie belegen in der aktuellen Energiesparhelden-Top Ten den 4.Platz. Wie haben Sie die Botschaft aufgenommen, dass Sie zu den zehn erfolgreichsten Nutzern des Energiesparkontos gehören?

Johannes Kollinger: Das fand ich richtig gut! Das zeigt nämlich, dass es sich lohnt, etwas im Bereich Energiesparen zu tun.

Energiesparclub: Seit wann nutzen Sie das Energiesparkonto?

Johannes Kollinger: Seit ungefähr drei Jahren. Damals habe ich am Praxistest „Energiesparsysteme für Haushalte" vom Energiesparclub teilgenommen und pflege seitdem regelmäßig meine Zählerstände und Abrechnungen in mein Konto ein.

Energiesparclub: Von 2010 bis 2012 haben Sie Ihren Stromverbrauch um 21 Prozent und Ihren Heizenergieverbrauch um insgesamt 25 Prozent reduziert. Welche Maßnahmen stecken hinter diesen Erfolgen?

Johannes Kollinger: Am Haus hätte ich vor zwei Jahren sowieso den Putz an einigen Stellen ausbessern müssen, daher habe ich mich im August 2011 dazu entschieden, 12 cm Wärmedämmung auf die Fassade aufzubringen. Und wenn der Putz dann eh schon runter ist, habe ich die Baumaßnahmen gleich dazu genutzt, um die gesamten Holzfenster auszutauschen. 

Ein Blick auf die CO2-Emissionen von Familie Kollinger im Bereich Strom.

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Energiesparclub: Gerade vom Jahr 2011 auf 2012 ist Ihr Stromverbrauch deutlich gesunken. Woran lag das?

Johannes Kollinger: Dafür sind sicherlich mehrere Faktoren verantwortlich. Seit wir im Jahr 1990 in unser Haus eingezogen sind, habe ich mir die Verbrauchswerte von Gas, Wasser und Strom aufgeschrieben. Dabei habe ich entdeckt, dass die Verbrauchswerte beim Strom gemeinsam mit dem Alter meiner Kinder steigen. Zwischenzeitlich waren wir bei fast 4.000 kWh pro Jahr. Mir war klar, dass wir von diesem hohen Verbrauch runter müssen und ich bin entsprechend aktiv geworden. Wir haben beispielsweise auf LED-Lampen umgestellt, einen neuen Fernseher angeschafft und die Kinder nutzen statt PCs Strom sparende Laptops. So haben wir unseren Verbrauch bis zum Jahr 2012 halbieren können und liegen derzeit bei etwas über 2.000 kWh.

Energiesparclub: Sind Sie alle Projekte direkt angegangen oder haben Sie sich Hilfe anhand einer Energieberatung gesucht?

Johannes Kollinger: Ich hatte im Prinzip zwei Energieberatungen. Da ich mit der Ersten nicht wirklich zufrieden war, hat ein Bekannter aus dem Arbeitskreis Energie hier in Herzogenaurach die Daten noch mal genauer analysiert. Grundsätzlich war mir aber schon im Vorfeld klar, dass sich die Kosten für Wärmedämmung und Fenster auch bei steigenden Gaspreisen in 20 Jahren nicht rein wirtschaftlich rechnen. Mein Haus ist nicht so alt, die Außenwände sind 36 cm Poroton und der U-Wert (Wärmedurchlässigkeit) war auch nicht so schlecht. Da ich aber sowieso etwas am Putz machen musste, hat es sich so am ehesten rentiert.

Im August 2011 wurden 12 cm Fassadendämmung aufgebracht.

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Das Wohnhaus nach der Wärmedämmung mit Photovoltaik-Anlage.

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Energiesparclub: Warum interessieren Sie sich so sehr für das Thema Energiesparen? 

Johannes Kollinger: Ich bin bereits seit 14 Jahren im Arbeitskreis Energie der lokalen Agenda 21 von Herzogenaurach aktiv. Im Arbeitskreis bearbeiten wir kontinuierlich das Thema Energiesparen. Wir haben einen Stromsparwettbewerb organisiert und einen eigenen Naturstrom-Tarif eingeführt. Wir erstellen aber auch Wärmebilder und führen Stromberatungen für Privathaushalte durch. Zusammen mit dem Bürgermeister von Herzogenaurach schreibe ich momentan am lokalen Energiewende-Konzept.

Ein Blick in den Bereich Heizen im Energiesparkonto von Johannes Kollinger.

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Energiesparclub: Gibt es Zahlen zu den durchgeführten Beratungen vor Ort?

Johannes Kollinger: Ich schätze mal, dass wir allein in den vergangenen drei Wintern um die 120 Wärmebildaufnahmen von Häusern gemacht haben. Stromberatungen habe ich ungefähr 25 gemacht, wobei diese Beratungen sehr intensiv sind und die Messungen manchmal über mehrere Wochen gehen.

Energiesparclub: Sie als Experte: Können Sie unseren Leserinnen und Lesern einen allgemeingültigen Tipp geben, wo sie am einfachsten und am schnellsten Strom sparen können?

Johannes Kollinger: Leider nein! Das Interessante daran ist, dass dies von Haushalt zu Haushalt vollkommen unterschiedlich ist. Ich hatte jetzt schon mehrere Male Zweipersonenhaushalte, wo unterschiedlichste Gründe vorlagen, warum der Stromverbrauch so hoch ist. Manche von diesen Haushalten hatten drei Kühlschränke und zwei Gefrierschränke. Dann gibt es welche, die sehr viele Halogen-Lampen angebracht haben und nicht darauf achten, diese auszuschalten oder gegen Energiesparlampen auszutauschen. Manchmal sind es sogar Defekte, die den immensen Stromverbrauch verursachen. Es gibt einfach nicht den klassischen Tipp, vielmehr müssen viele Wohn- und Lebensbereiche unter die Lupe genommen werden.

Energiesparclub: Glauben sie, dass es noch ein Informations-Defizit beim Thema Energiesparen gibt?

Johannes Kollinger: Das glaube ich nicht. Die Leute haben einfach Schwierigkeiten damit zu erkennen, wo der Strom bei ihnen eigentlich hingeht. Manche verdächtigen eher den eigenen Nachbarn, dass der vielleicht was abzapft, als den eigenen Verbrauch genauer zu untersuchen. Vor allem das Thema Grundverbrauch ist den meisten Menschen noch nicht richtig bekannt.